Gegen den Gebrauch von Fraktur-Schriften.

Mitten im Sommerloch schreibt aktuell “Page”, daß moderne Frakturschriften wieder höchst angesagt seien. Den Artikel findet man hier. 

Nun ist es sicherlich Notwendigkeit und dringendes Recht neben dem reinen Feststellen des Angesagten (sprich der Mode) vorrangig immer wieder neu über Ästhektik und gerade auch über die Wirkung von Schriften zu diskutieren. Nun hat gerade Frakturschrift (“Gotisch”) zum Beispiel auch im modernem Kulturgut wie “Asterix und die Goten” seine Berechtigung. Fraktur unterstreicht gerade dort in “Asterix und die Goten” definitiv die Bildaussage.

Man sollte sich allerdings schon fragen, warum Fraktur dort so gut die Bildaussage unterstreicht.

Egal wie angesagt Fraktur auch sein mag, wir machen da nicht mit. [Punkt].

 

 

 


[Ad branding.]


In meinem Garten habe ich diese uralte Bierkiste von Adlerbräu. Da ist der Markenname Adlerbräu in einer Frakturschrift gesetzt. Es gibt einfach Fettnäpfchen in die man nicht tappen sollte: Adler, Adlerbräu und Fraktur geht nit – nie und nimmer! In dieser meiner alten Kiste (die langsam vermodert) wird unser Bio-Müll gesammelt (der vermodern wird).

Bei uns werden keine Markennamen in Fraktur gesetzt. Es gibt für uns keine Markennamen und Texte, die wir je in Fraktur setzen würden. Die traditionsreiche Fraktur ist nach jahrhundertelanger Wirkungsgeschichte leider im Trubel der Geschichte verglüht. Man kann Fraktur heute nicht mehr unbefangen verwenden*. Fraktur “kann und darf” nur einer: die konservativ-liberale Frankfurter Allgemeine Zeitung [siehe hier].

Ganz klar gesagt. Weltoffen heißt in der Welt sein und der Welt gegenüber offen auftreten. Einen Rückgriff auf die Zeiten vor der Begründung unserer deutschen Demokratie – sei es auch “nur” in der Schrift  – halte ich logischerweise für undemokratisch. Das gilt für das Denken, Schreiben und Handeln. Wir schreiben als Demokraten nicht in Fraktur. Eher nie. Außer in “Asterix und die Goten” und selbst das haben eigentlich Franzosen (Mit-Europäer) für uns geschrieben.

 


[1] Siehe den Artikel im Typolexikon, “Fraktur”.

[2] “Fraktur ist (auch) eine Nazi-Schrift”

[3] Unimut – Zeitschrift der Uni Heidelberg: Verbot der Frakturschriften durch die Nationalsozialisten

[4] Eine kleine Anmerkung zum Label Thor Steinar. Das Label Thor Steinar ist eines der Labels, welches stark mit der rechten Szene in Verbindung gebracht wird und dessen Tragen im deutschen Bundestag oder in manchen Fußballstadien verboten ist. Wer sich über diese Marke informieren möchte, kann dies beispielsweise bei Bell Tower – dem Netz für die Digitale Zivilgesellschaft tun. Auch bei wikipedia wird Thor Steinar als “Erkennungsmerkmal rechter Szene” bezeichnet. Unter Schweizerischer Führung durch die Fashion Brands Trading AG hat sich die Markenbotschaft geändert. Man bezeichnet sich selbst heute als “sportlich maritimes Lifestyle Label”.

[5] “Eine Schrift für Bieretiketten und Gangsta Rap”, Artikel von Jason Mannix im Humboldt Magazin.

[6] Das kalifornische Label Juicy Couture hat sein Logo in einer Fraktur gesetzt. Interessanterweise hat Juicy Couture die Fraktur in Golden gehalten. Dies hat Witz, weil “Juicy Couture Black Label” in einem goldenen Farbton das Negative der Frakturschrift* vermeidet.

Golden passt gerade hier sehr gut, da im Logo “Jucy Couture Black Label” um “los angeles” ergänzt wird. Engel und Golden passt immer und ist einfach stimmig. Das zeigt, durch geschickte Farbwahl kann man auch bei Wahl einer Frakturschrift klare ideologiefreie Botschaften senden.

 


 

* Wir müssen ganz klar sehen, das Negative der Fraktur entsteht [allein] in der deutschen Rezeption der Fraktur-Schriften. Amerikaner und gerade auch die Engländer (mit ihrer altenglischen Schrift) sind in der Rezeption unbelasteter. Amerikaner und Engländer dürfen die Ästhetik der gebrochenen Schriften wertschätzen. Ästhetik hat mit Empfindung zu tun und kann sich aber “von den Opfern einer Schrift” [den Gebrochenen]  nicht gänzlich trennen. Bei uns ist Fraktur aus Schamgefühl für immer verbrannt, weil wir aus unserem kollektiven Bildervorrat wissen, was vormals in dieser Schrift geschrieben wurde.

Wir als Gestalter müssen also auch um den kollektiven Bildervorrat wissen und Fraktur eher vermeiden.

 

 

 

error: Content is protected !!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen