Kunstvolle “Bahnhofsschmiererei” …

 

Letzten Donnerstag war das noch nicht da: diese “Bahnhofsschmiererei”.

Heute entdeckt. Bei meinem Spaziergang mit dem Wölfle in Oberndorf-Unterstadt. Man muß schon feststellen: das künstlerische Niveau scheint sogar bei Mäuerles-Malern gewaltig gestiegen zu sein.

Denn ganz so simpel ist das Werk eigentlich gar nicht. “Die” haben, damit sich das rote Rechteck besser hervorhebt, auf dem roten Fleck dem roten Rechteck sogar noch einen weissen Fleck hinterlegt. Die Farbbotschaft “rot – weiß” kommt so ganz eindeutig rüber.  Das gewählte Rot fördert die Assoziation “Rot wie Blut/Weiß wie Schnee”. Denn es wurde der richtige stimmige Farbton gewählt.

Auch die unterschiedliche Fontwahl sehr gelungen! Der Font auf der linken Seite (VFB) strebt das Quadrat an.  Auf der rechten Seite (FCB) wird durch den Font eine besondere Dynamik gepaart mit Tradition vermittelt. Allerdings ist den Street Artists beim Wort “SCHEISS” ein Fehler unterlaufen. Nach Duden verzichtet man auf “SS” und schreibt SCHEIß (siehe hier). Das ist aber entschuldbar, denn selbstverständlich haben unsere Fußball-Fans keinen Duden zur Hand gehabt. Auch wirkt SCHEISS grafisch einfach gefälliger. Die Alternative SCHEIß wirkt dagegen rein optisch leicht unharmonisch.*

Die Street Artists (ggf. auch Street Artist-innen oder vielleicht sogar ein gendergemischtes Team) kennen sich mit dem FC Bayern (FCB) aus. Beim schwäbischen VfB haben sie aber irrtümlich den Buchstaben “F” großgeschrieben. Dies stiftet etwas Verwirrung. Der VfB bleibt der VfB! — Egal, welchen Scheiß, der spielt.

Bei aller grandiosen künstlerischen Wirkung stellt dieses Werk dennoch eine Sachbeschädigung dar. Und die Sachbeschädigung muß man nur bedauern. Auch inhaltlich nicht für jeden richtig. Obgleich da natürlich vor der Schmiererei nur eine graue Mauer war. Jetzt haben wir eine Mauer mit Kunstwerk. Allerdings im unteren Randbereich etwas unsauber gearbeitet.

 

 


*Das Eszett (“ß”) gibt es seit 2017 offiziell als Großbuchstaben. Es sieht aus wie ein Mittelding zwischen dem bisherigen, klein geschriebenen “ß” und einem groß geschrieben B (eben so: “ẞ”).

Die Begründung für den neuen Großbuchstaben “ẞ”: ein genereller Trend zur Schreibweise in Versalien (Großbuchstaben) in der Werbung und auch in Büchern. Die Zulassung des großen Eszetts “ẞ” ermögliche in solchen Fällen nun endlich ein optisch einheitliches Schriftbild, heißt es vom Rat für Deutsche Rechtschreibung. Die Ersatzschreibweise mit Doppel-S oder kleinem “ß” bleibt jedoch weiter zulässig. Scheiß bleibt aber SCHEIß – oder aber moderner SCHEIẞ.

Technisch hat man den neuen Großbuchstaben vorausschauend bereits 2008 in den internationalen Schriftzeichen-Standards ISO und Unicode berücksichtigt. Gängige Computerschriften wie Times New Roman, Arial und Courier New stellten den Großbuchstaben “ẞ” zur Verfügung. Siehe hier.

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