Trotz saisonalem Anstieg – erneut geringste Arbeitslosigkeit

Gutdenk ist das Entscheidende. Das ist wie früher in der DDR. Es gibt zwar in den Läden nix zu kaufen, aber die Versorgung mit Gütern schreitet medial munter voran. Für alle Jüngeren: die DDR war vormals das, was heute die fünf-neuen-Länder sind. Natürlich nur geografisch gesehen, nicht politisch.

Gutdenk ist wichtig. Denn wenn du frohen Gemütes munter glaubst, daß es allen gut geht, dann glaubst du auch, weniger sei mehr. Also im Grunde mehr und natürlich nur bei Dir weniger. Wenn man es denn richtig sieht. Und man darf es nicht falsch sehen.

So verblüfft es nicht, daß erneut verkündigt wird, die Arbeitslosigkeit sei gesunken. Es hätte auch gewundert, wenn´s anders wäre. Diesmal wird sogar die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren gegeben. Sogar Spiegel online meldet tapfer: Trotz saisonalen Anstiegs. Bundesagentur meldet geringste Januar-Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren”. 

Allein ein Magazin, dass nicht gar so progressiv daher kommt wie der Spiegel meldet: “Nur” 2,57 Millionen Arbeitslose – oder doch nicht?“. Allein nur das “manager magazin” stellt diese nicht so gar nicht vom Gutdenk getragene Frage. Man kann allen Nicht-Managern den Artikel im “manager magazin” nur empfehlen. Denn dort wird wahrer Eigendenk betrieben. Und um Wahrheit geht es ja irgendwo auch und nicht nur um reine Propaganda.

 


REM.

[1] Der 79-seitige Monatsbericht Januar 2018 der Arbeitsagentur. Ein höchst akurates Rechenwerk!  Wer fit in Statistik werden will, der lese unbedingt das 120-seitige “Statistik erklärt” der Agentur. Auch nicht unpraktisch: der Entgeltatlas der Agentur für Arbeit, also die Löhne in unterschiedlichen Berufen in den Regionen.

 

[2] Alleine 163.290 Personen, die älter als 58 Jahre alt sind (und Arbeitslosengeld I und/oder ALG II beziehen) tauchen in der Arbeitslosenstatistik nicht auf. Die werden schlichtweg nicht mehr erfasst. Da wir ein älter werdendes Volk sind, tauchen somit durch den reinen Alterungsprozess (durch Zeitablauf) immer mehr Menschen nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. [Quelle: Statistik Monatsbericht Januar 2018, im Tabellenanhang auf Seite 64 unter “Sonderregelungen für Ältere (§ 53a Abs. 2 SGB II)”]. Interessanterweise hat nach eben dieser Statistik die Zahl der Älteren ab 58 um immerhin drei Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen.

Gleichfalls nicht uninteressant, die Förderung durch das sogenannte Einstiegsgeld hat gegenüber dem Vorjahr um 20,4 Prozent abgenommen [gleichfalls im Tabellenanhang, Seite 64 ]. Die Leistungen zur Eingliederung von Selbstständigen haben sogar um 54 Prozent abgenommen [Seite 72]. Interessanterweise hat sogar das Vermittlungsbudget um beachtliche 20,8 Prozent abgenommen (Seite 72 oben). Es scheint mit einem Budget das rund 1/5 niedriger war, ein Erfolg in der Vermittlungsstatistik bewirkt worden zu sein.

Eine gute Sache ist auch, dass die Agentur “schwer erreichbare Jugendliche ” um 69,1 Prozent stärker gefördert hat (gleichfalls Seite 72). Allerdings fragt man sich da, wie das Amt “schwererreichbare Jugendliche” erreicht. Anrufen geht ja wahrscheinlich eher nicht. Wahrscheinlich werden schwererreichbare Jugendliche über Facebook und Twitter erreicht.

Die eigene Statistik belegt, dass sich die Arbeitsagentur aus der Arbeitsvermittlung zurückzieht. So haben die Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung um stolze 30,4 Prozent abgenommen. Stattdessen fördert die Agentur Basisausbildung der Jugend mit der “Assistierten Ausbildung” um 45,2 Prozent stärker als im Vorjahr [Seite 73]. Das AsA ist ein neues innovatives Konzept um der Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken (siehe hier).

Eine eigenständige Analyse des Monatsberichtes seitens der Medien hätte ergeben können, daß die Agentur verstärkt neue Aufgaben übernommen hat, um der Jugendarbeitslosigkeit in Europa und Deutschland entgegenzutreten. Die Frau Nahles scheint massiv umorganisiert zu haben.

 

[3] Jugendarbeitslosigkeit in Europa und in Deutschland (6,6 % in Deutschland nach Statista).

 

[4] “Der Vergleich von Arbeitslosenquoten kann irreführend sein“, ein interessanter Kommentar aus der “Neuen Zürcher” zum Thema Vergleich der Arbeitslosenquoten, erschienen am heutigen Tage.

 

[5] Spiegel online zitiert mit dem “Trotz saisonalen Anstiegs” ein berühmtes Lied des deutschen Dichters und Barden Wolf Biermann. Eigentlich schon erstaunlich wie viel und welche Kritikfähigkeit ein kritisches Magazin in das Wort “trotz” legen kann.

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