Vom Nicht-Datensammeln, vom Nicht-Speichern – das gute alte Postkorb-Spiel

Bei der großen Diskussion um die DSGVO habe ich mitunter den Eindruck, manche meiner großen Kollegen hätten den Eindruck, gute Gesetze müssten gut gefallen. Das ist aber schon bei der anderen großen Verordnung, der Straßenverkehrsordnung nicht (immer) der Fall. Die aber dennoch unser Zusammenleben (“Zusammenfahren”) ganz passabel regelt.

Von der Zielgruppe her bin ich der Meinung die DSGVO ist für und gegen die großen Datensammler der Welt gemacht. Nun sind ja gerade Kleinbetriebe, die kleinen Freiberufler, die fleissigsten Nicht-Datensammler der Welt. Das ist im Prinzip das alte Postkorb-Spiel auf die IT übertragen.

 

Sie kennen das ja, Sie bekommen eine Unmenge Post. Da wird erst einmal “gesichtet”. Das heißt: eine Unmenge Papier fliegt gleich in die Tonne. Das wird unmittelbar der Entsorgung zugeführt und verursacht keinen weiteren Aufwand mehr. Der Aufwand wäre enorm, alles Unnötige würde Platz benötigen. Wird dann unnötigerweise vielleicht sogar noch drei oder vier mal umgebeugt und landet am Ende doch im Papierkorb. Bestimmte Post wird es nie in unsere Aktenordner oder Archive schaffen. Also ohne zögern: Gleich weg damit.

 

In der IT fängt das Postkorb-Spiel gleich bei und mit den Emails an. Auch Emails sind Daten und Datenspeicher*. Zwei- bis dreihundert Emails trotz Filter, da wird es etwas unübersichtlich. Bei allem, bei dem keine Verpflichtung besteht das Aufzuheben: gleich löschen. Interessantes; lesen, vielleicht merken, gleich löschen. Nie aufheben, nie speichern. Und auch die Papierkörbe regelmäßig löschen. 

Hier im Blog ist es ähnlich. Die Kommunikation mit den Lesern wird um Himmels-willen nie aufgehoben (gespeichert), sondern unmittelbar gelöscht. Das sind alles durchlaufende Posten. Und da fangen wir gar nicht mit “dem Speichern” an.

Wer von Vorneherein Nicht-Relevantes löschen kann – gewinnt Freiheit für das Wesentliche. Also wir sind: bewusste Nicht-Datensammler und flinke Gleich-Löscher …  

Aber – vom Prinzip her, war auch die gelöschte Email zunächst auf dem Computer temporär erst einmal gespeichert. (Die Du übrigens mit Leichtigkeit wieder sichtbar machen könntest. Aber auch da haben wir unsere Gegen-Strategie). 

 


*Ich bin einer der wenigen aktiven Leser von Datenschutzerklärungen.  So habe ich gestern erst die Datenschutzerklärung eines großen amerikanischen Konzernes gelesen. Absolut unlesbar, verschachtelt, überdetailliert. Die scheinen alle Anwälte beschäftigt zu haben, die sie kennen.

Dieser amerikanische Konzern schreibt in seiner Datenschutzerklärung, er untersage Emailverfassern nach DVGSO in geschriebenen Emails jede Äußerung die Hinweise auf Religion, Hautfarbe, Gewerkschaftszugehörigkeit, sexueller Orientierung, politischer Anschauung geben. Geltung übrigens nicht nur für die vom Konzern verschickten Emails, sondern auch für die empfangenen Emails.

Das wirkt zunächst einmal gewaltig überspannt. Aber im Prinzip sind die Amis in Germany konsequenter im Europäischen Datenschutz als wir. Wenn sie auch die DSGVO nicht richtig interpretieren.

Zu verlangen solche Themen nicht zu erwähnen ist konsequent, denn technisch werden Emails mit, nennen wir es unrelevanten Inhalten trotzdem – zugegeben oft kurz – auf Computern in unserem Verantwortungsbereich gespeichert.

Bei uns sind Äußerungen, die Hinweise geben könnten – über “Religion, Hautfarbe, Gewerkschaftszugehörigkeit, sexueller Orientierung, politischer Anschauung” nicht in der Erwähnung verboten – werden aber hier trotzdem mit vielen anderen Emails wertungsfrei gelöscht, wegen der Vertraulichkeit der Kommunikation.

Löschen befreit – die Delete-Taste ist eine segensreiche Erfindung!!! Es gibt die befreiende Freiheit zu löschen und eben nicht zu speichern …

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