Wir aus den geburtenstarken Jahrgängen kriegen nix an Rente …

Es war ja während meiner Schulzeit so, daß einige Lehrer uns Teenagern ständig vom prächtigen deutschen Rentensystem vorschwärmten. Das war damals sogar fachunabhängig so. Da schwärmte der Religionslehrer von der Rente und wir mussten’s glauben. Dann schwärmte der Mathelehrer von der Rente und keiner von uns konnte es nachrechnen.

Unser damaliger Physiklehrer war vom deutschen Rentensystem scheinbar besonders begeistert und redete sich regelmäßig in Rage (- war da “etwas übereifrig engagiert”). Deswegen war ich als Teenager schon gewaltig skeptisch in “Sachen Rente”, eben weil die Prächtigkeit des deutschen Rentensystems immer so anlass- und masslos im Märchen-Stil über den grünen Klee gelobt wurde.

Mittlerweile stellt sich immer mehr heraus, daß gerade wir geburtenstarken Jahrgänge kaum eine nennenswerte Rente werden beziehen können. Die Hälfte der heute 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden deutlich weniger Rente erhalten, als sie derzeit für Wohnen und Konsum ausgeben. Durchschnittlich fehlen jedem und jeder aus den geburtenstarken Jahrgängen stattliche 700 Euro. Dies hat soeben die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung hier veröffentlicht.

Weitere Informationen zu der Rentenlücke finden Sie im DIW-Wochenbericht 37, September 2018 unter dem Titel: Große Lücke in der Sicherung des Lebensstandards bei rentennahen Jahrgängen (pdf). Und mal nachdenken, wenn du 700 Euro monatlich hast, dann kommst du vielleicht gerade so über die Runden – wenn Dir aber 700 Euro monatlich fehlen, dann hast du ein Riesen-Problem.

Allerdings muß ich sagen: als Teenager hat mich die Rente nicht interessiert, weil das damals sehr weit weg war. Heute interessiert mich die Rente nicht, weil ich arbeiten will. Es ist in meinem Leben so viel an Bildung, Aus- und Fortbildung gelaufen, da muß es einfach eine Phase der Kunst und des Tuns geben.

Als Vorbilder habe ich nicht nur die Schwarzwald Bauern (da schwingt der Altbauer noch mit 80 fleissig die Sense am steilen Hang), sondern auch die Ärzte aus meiner Kindheit*, die zum Teil bis Ende ihrer 70 praktiziert haben. Ab 60 fängt’s erst richtig an …

 


* So war in meiner Jugend mein mich behandelnder Arzt weit über 70 Jahre jung. Ich mochte diesen Arzt, weil er bei Erkältungen immer ironisch hochpreisige “Wundermittel” verschrieb, mehr oder wenig ständig auf dem Tennisplatz war und in seiner Praxis mir stets munter vom Tennis erzählte.

Da vergällte mir auch die Geschichte, die meine Mutter mir ganz gerne von meinem Arzt erzählte, nicht die Sympathie für “meinen” Doc. So soll gerade dieser hochbetagte Herr Doktor, einer Frau bei morgendlichen Hausbesuchen Spritzen verpasst haben. Eines Morgens soll er bei diesem Besuch dann die Spritze in die Matraze gespritzt haben und dabei gesagt haben: “Heut geht’s besonders leicht!”. Meine Mutter nahm das als Beleg dafür, dass der Herr Doktor nichts mehr sehen würde oder verkalkt sei.

Ich aber wusste der “junge Mann” war in Gedanken schon wieder auf seinem Tennisplatz gewesen …

 

Rem.
Artin Elmayan ist mit seinen 100 Jahren der älteste registrierte Tennisspieler in Argentinien. 

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